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B.K.S. Iyengars tägliche Übungspraxis Quelle: Yoga der Weg zu Gesundheit und Harmonie Dorling Kindersley Verlag 2008
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Auszug aus „Licht für´s Leben" von B.K.S. Iyengar „Schmerz: Finden Sie auch im Unbehagen zum Behagen Viele Menschen konzentrieren sich auf die Vergangenheit oder auf die Zukunft, um den Erfahrungen der Gegenwart auszuweichen, und das oft, weil die Gegenwart zu schmerzlich oder zu schwer zu ertragen ist. Im Yogaunterricht denken viele Schüler, dass sie einfach nur „die Zähne zusammenbeißen und es aushalten“ müssen, bis der Lehrer sagt, dass sie aus dem Asana herauskommen können. Das bedeutet, dass man Yoga als Gymnastik ansieht, und das ist die falsche Einstellung. Der Schmerz ist als Lehrer da… Nur im Ringen und Bemühen finden sich Wissen und Erkenntnis. ... Angenehmes und Vergnügliches erleben wir fröhlich und glücklich, doch müssen wir auch lernen, unseren Frohsinn nicht zu verlieren, wenn Schmerzen eintreten. So wie wir Gutes am Vergnügen sehen, sollten wir auch lernen, Gutes am Schmerz zu sehen. Lernen Sie, sogar im Unbehagen zum Behagen zu finden. Wir sollten nicht versuchen, vom Schmerz davon zu laufen, sondern uns durch ihn hindurch- und über ihn hinauszubewegen. Das bedeutet die Entwicklung von Beharrlichkeit und Ausdauer, und das ist eine spirituelle Haltung gegenüber dem Yoga. Desgleichen eine spirituelle Haltung gegenüber dem Leben. So wie die ethischen Grundregeln des Yoga unsere Handlungen in der irdischen Welt reinigen und läutern, reinigen und läutern die Asanas und Pranayama-Übungen unsere innere Welt. ... Da Schmerzen unvermeidlich sind, stellen die Asanas ein Labora-torium dar, in dem wir herausfinden, wie wir den unvermeidlichen Schmerz hinnehmen und den nicht unvermeidlichen Schmerz umwandeln können. Wir suchen zwar nicht aktiv den Schmerz, rennen aber auch nicht davon, der Bestandteil allen Wachstums und aller Veränderungen ist. Die Asanas helfen uns, in Körper und Geist eine höhere Toleranz-grenze zu entwickeln, sodass wir Stress und Druck leichter aushalten können. Rückbeugen zum Beispiel lassen den Mut und die Beharr-lichkeit eines Menschen erkennen… Asanas, bei denen man auf Armen und Händen balanciert, lehren und kultivieren Toleranz. Wenn Sie sich an eine Welt anpassen und in einer Welt balancieren können, die ständig in Bewegung ist, dann lernen Sie, wie man der Beständigkeit von Veränderung und Verschiedenheit Toleranz entgegenbringt. Um in einem Asana verharren zu können, bedarf es der Ausdauer und des Durchhaltevermögens. Um ein Asana zu meistern, brauchen Sie Geduld und Disziplin. ... Wie lernt man also, den Schmerz erträglich werden zu lassen? … Man muß trotz des richtigen Maßes an Spannung Entspannung schaffen. Diese Entspannung kann damit beginnen, dass man den in den Schläfen sitzenden Stress beseitigt. Die Belastung im Gehirn wird durch Entspannung der Augen und Schläfen gemindert. Das wiederum nimmt die Stressbelastung von den Nerven und Muskel-fasern. … …beim Praktizieren geht es nicht nur um angenehme Empfin-dungen. Es geht um Gewahrsein, und das Gewahrsein bringt uns dazu, sowohl die Lust wie auch den Schmerz wahrzunehmen und zu verstehen. Zu Anfang kann der Schmerz sehr stark und heftig sein, weil der Körper Widerstand leistet. Aber indem wir uns ihm ergeben, wird der Körper weicher, und nach und nach wird der Schmerz nachlassen. …Der Schmerz tritt nur ein, wenn der Körper nicht versteht, wie er das Asana machen soll, was am Anfang der Fall ist. Bei einer korrekten Stellung treten keine Schmerzen ein. Um aber eine korrekte Stellung zu erlernen, müssen Sie sich Schmerzen aussetzen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ihre Intelligenz sollte ein inniges Verhältnis zu Ihrem Körper haben. …Besteht kein inniges Verhältnis zwischen Geist und Körper, dann existiert Dualität, dann existiert Trennung und es gibt keine Integration. … Der Schmerz ist ein großer Philosoph, weil er ständig daran denkt, wie es sich selbst abschaffen kann, und weil er Disziplin verlangt. Auf der anderen Seite der Gleichung des Schmerzes steht das Verständnis, wie der Schmerz den Brennpunkt der Aufmerksamkeit auf den betroffenen Bereich lenkt. Wenn wir die Verspannung des Gehirns lösen, zeigt uns diese Art von Aufmerksamkeit den Weg, wie wir den Schmerz beseitigen können. So kann der Schmerz ein großartiger Lehrer sein, der uns beibringt, wie man mit ihm lebt und sich dann schließlich von ihm verabschiedet. Es ist nicht einfach so, dass der Yoga all die Schmerzen verursacht: Der Schmerz ist schon da. Er existiert im Verborgenen. Wir leben einfach mit ihm und haben gelernt, uns seiner nicht Gewahr zu sein. Es ist als läge der Körper im Koma. Wenn wir mit dem Yoga anfangen, kommen die unerkannten Schmerzen zum Vorschein. Wenn wir unsere Intelligenz einsetzen können, um den Körper zu reinigen und zu läutern, werden die verborgenen Schmerzen aufgelöst. Solange noch Verspannungen und Beklemmungen in Körper und Geist existieren, gibt es keinen inneren Frieden. Innere Fehler und Gewohnheiten, wie etwas zu erzwingen, ohne Beobachtung zu handeln, die Kehle zu verspannen und die Gehörorgane zu blockieren, schaffen mangelndes Gewahrsein, Verkrampfung, Schwere, Angespanntheit, Ungleichgewicht und Schmerz. Wenn zum Beispiel in atrophierte Muskeln wieder Leben kommt, entstehen Schmerzen der Wiedergeburt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dem Schmerz zu begegnen: Man lebt mit ihm oder man arbeitet mit ihm und sieht zu, dass man ihn beseitigen kann. Yoga fordert uns zum Überschreiten unserer Grenzen heraus – in-nerhalb der Grenzen der Vernunft. Wir erweitern ständig den Rah-men des Geistes, indem wir uns der Leinwand des Körpers bedienen. Das ist so, als würden wir eine Leinwand etwas mehr dehnen und strecken, um mehr Fläche für ein Gemälde zu erhalten. … Viele Yoga-Lehrer fordern Sie auf, die Asanas problemlos und bequem durchzuführen, ohne irgendwelchen Stress oder echte Anstrengung. Das führt dazu, dass die Praktizierenden weiterhin in ihren geistigen Grenzen mit allen unvermeidlichen Ängsten, Anhaftungen und Kleinlichkeiten leben. … Yoga soll der Reinigung und Läuterung des Körpers und zudem der Erforschung, Schulung und Kultivierung des Geistes dienen. Das erfordert Willensstärke. … Ohne ein bestimmtes Maß an „Stress“ kann keine Erfahrung von einem echten Asana gemacht werden, und der Geist wird in seinen Beschränkungen verbleiben und sich nicht über seine bestehenden Grenzen hinausbewegen.“
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