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B.K.S. Iyengars tägliche Übungspraxis Quelle: Yoga der Weg zu Gesundheit und Harmonie Dorling Kindersley Verlag 2008
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Auszüge aus O.W. Barth 2. Auflage 1995 „Der Baum des Yoga" B.K.S. Iyengar Yoga als Kunst „… Fast jeder Mensch kennt Yoga als Philosophie oder als Weg, doch nur wenige wissen, dass Yoga auch eine Kunst ist. Kein Künstler kann seine eigene
Kunst definieren: Was Kunst ist, kann nur durch die Kunst selbst ausgedrückt
werden und nicht durch Worte. Die
Weisen der alten Zeiten unterschieden zwischen Erkenntnis der Welt und
Erkenntnis der Seele. Da sie wussten, dass der Mensch als körperliches,
geistiges und spirituelles Wesen existiert und die Bedeutung dieser drei
Ebenen verstanden, entwickelten Sie verschiedene Künste, mit deren Hilfe
rhythmisch, systematisch und einheitlich an der Dreiheit des Menschen
gearbeitet werden kann. Die
sechs Künste der indischen Tradition sind Yoga, Ringen, Bogenschießen,
Schauspiel (Tanz eingeschlos-sen), Musik und Ökonomie. Künste gibt es in
mancher Form, darunter die nützlichen Künste, die Heilkünste, die schönen
Künste, die darstellenden Künste und so weiter. Die Kunst des Yoga
umfasst all diese Ebenen und ist somit eine grundlegende Kunst. Durch
Yoga kommt der Mensch in Berührung mit der Seele, also ist Yoga eine
spirituelle Kunst. Jedes Asana hat eine exakte geometrische und
architektonische Struktur: also ist Yoga eine schöne Kunst. Yoga bringt
dem Übenden Gesundheit und Glück: also ist Yoga sowohl eine Heilkunst.
Wenn die Schönheit und Harmonie von Zuschauern bewundert werden, wird
Yoga zu einer darstellenden Kunst. Drei
Qualitäten sind erforderlich, wenn man ein Künstler werden will. Man muss
Talent mitbringen, Meisterschaft in einer Kunst zu erreichen; man muss
eine ungeheuere Liebe zu seiner Kunst hegen, um mit Zielstrebigkeit,
Einsatz und Konzentration an ihr zu arbeiten; und man muss über Phantasie
und Kreativität verfügen, um die Kunst auf neue und unbekannte Pfade zu
führen. Was heute bekannt ist, war gestern unbekannt. Jeden Tag gibt es neues Wissen, aber das Unbekannte bleibt unermesslich, weil das Universum unermesslich ist. Das Unbekannte ist das Gebiet das Künstler erforschen müssen, um ihre Kunst zu vervollkommnen. Obwohl sie in einer normalen gesellschaftlichen Umgebung leben, müssen Künstler gleichzeitig ein Gespür für das Neue aufweisen und bislang geahnte Transformationen in Gang bringen, damit ihre Kunst lebt. … Shiva ist der Begründer des Yoga. Zunächst lehrte er ihn seiner Gattin, .... Er ist auch Narataja, der Gott des Tanzes. Yogis und Tänzer erweisen ihm gleichermaßen die Ehre, weil er der Menschheit dieses zweifache Wissen gab, so daß der Mensch den heiligen Geist der Göttlich-keit in jeder einzelnen Zelle ihrer Körper erfahren und Einheit in der Vielfalt und sowie Unpersönlichkeit in der Persönlichkeit entdecken konnten. ... Der Unterschied zwischen Tanz und Yoga liegt darin, daß Yoga eine vollkommene Kunst des Tuns ist, währ-end Tanz eine vollkommene Kunst der Bewegung ist. Im Tanz gibt es durch die Bewegung einen Ausdruck nach außen, während Yoga trotz seiner intensiven inneren Dynamik für die Zuschauer statisch erscheinen kann. Die Bewegung kann sehr geringfügig sein, die Wirkung aber ist gewaltig. ... Der Yogi und der Künstler müssen gleichermaßen den Körper respektieren. Ohne Gestalt und Form, ohne An-mut und Stärke kann man weder Yogi noch Tänzer sein. Wenn Sie ein Künstler sind sollten Sie folgendes be-denken: Welche Themen auch immer Sie in Ihrem künst-lerischen Ausdruck darstellen, sie alle hängen von den inneren Erfahrungen und Wirkungen ab, mit denen auch ein Yogi arbeitet. Wenn Sie als Künstlerin oder Künstler Yoga praktizieren - wenn Sie auch mit den inneren Ebenen des Seins in Kontakt stehen -, werden Sie eine gewaltige Ausdruckspalette entwickeln, und ihre Kunst wird das sein, was man als <<Satyam, Shivam, Sundara>> bezeichnet: wahr, mit günstigen Vorzeichen versehen und schön. Dann wird die Kunst göttlich und heißt Yoga-Kala, die Kunst der günstigen Vorzeichen. Kunst ohne diese innere Tiefe nennt man Bhoga-Kala. Kunst, die Freude bereiten soll. Kunst, die Freude bereiten soll hat natürlich auch ihren Wert, wenn aber Intensität und Hingabe schwinden, kann sie leicht zu Kama-Kala, der Kunst zur Befriedigung sinnlicher Begierden, degenerieren.
Erforderlich ist eine Mischung
aus Bhoga-Kala und Yoga-Kala. Wenn nur Bhoga-Kala vorhanden ist, ist die
Kunst bloß sinnlich und nicht erhebend. Ist nur Yoga-Kala da, so ist die
Kunst zu erhaben und streng, um von Wert für die Gesellschaft zu sein.
Wenn man Menschen rühren, bilden und inspirieren will, müssen beide Ebenen
der Kunst kombiniert und miteinander ver-mischt werden, so dass alle in
dem vollkommenen Licht leben können, das das Bewusstsein erleuchtet.
Dann ent-steht eine lebendige Schwingung, die jeden von uns in die Lage
versetzt im Kraftfeld der Seele zu leben, so dass dieser sterbliche Körper
den Nektar der unsterblichen Seele trinken und die Kunst göttlich werden
kann.“ |
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