Der Traum als Hilfe bei 

unternehmerischen Entscheidungen  

 

 

Neigt der Volksmund dazu, den Traum mit Sprüchen wie "Träume sind Schäume" abzutun, so liegt er falsch. Träume helfen uns, Visionen zu bilden und neue Möglichkeiten zu erkennen.

Das liegt daran, dass während des Traums unsere linke Gehirn-hemisphäre herunter geschaltet wird. Dadurch tritt unser auf Erfahrung beruhendes Wissen in den Hintergrund. Das Erfah-rungswissen, zu dem wir im Wachzustand einen guten Zugang besitzen, ist aber im Grunde zu tiefst konservativ in dem Sinn, dass es nur das sehen kann, was bereits ausprobiert bzw. getan wurde. Etwas grundlegend Neues liegt nicht im Bereich des Bewusst-seinszustands des Wachens. Anders jedoch im Traum, in dem unsere rechte Gehirnhemisphäre auf Hochtouren arbeitet. Sie ist nicht an unsere Historie und Konventionen gebunden, sondern sie spielt im Sinne von Schillers Briefen zur ästhetischen Erziehung, in denen es so treffend heißt: "Der Mensch ist Mensch nur, wenn er spielt."

Durch dieses Spiel mit den Tagesresten, wie Freud die Elemente nannte, die der Traum von den Erlebnissen der Tage vor ihm nutzt, kann es zu völlig neuen Ideen zur Problemlösung oder Visionsbildung kommen. Das haben Naturwissenschaftler bereits seit dem Ende des 19. Jh. genutzt. Kekule von Stradonitz, der Begründer der organischen Chemie, Elias Howe, der Erfinder der Nähmaschine und Albert Einstein, um nur einige zu nennen, bekamen ihre Einsichten durch Träume, die sich über die wissenschaftlichen Erklärungskonventionen der damaligen Zeit hinwegsetzten, auch der deutsche Bestesellerautor Frank Schätzing bekennt, dass er die Idee zu seinen wissenschaftlichen Romanen durch Träume bekommt.

So geht es auch dem Unternehmer, der auf neue Visionen für seine Geschäfte hofft. Er muss sich davon befreien, das schon Dagewesene und konventionelle Lösungen zu betrachten, sondern er braucht den wirklich neuen Ansatz, will er erfolgreicher als seine Konkurrenz sein. Zu diesen neuen Ansatz inspiriert ihn der nächtliche Traum mit seinem Spiel mit allen Möglichkeiten. Freilich sagt uns der Traum nicht, dies und jenes musst Du tun, sondern er spricht uns mit der Sprache der Symbole an. Um diese zu verstehen, müssen wir uns auf seine Bilderwelten einlassen und jene stets wieder auf unser Problem zu beziehen suchen. Diese symbolische Traumsprache mag zunächst chaotisch erscheinen, aber bedenken Sie eins, wenn man diese versucht, auf sein Problem zu beziehen, sieht man dieses plötzlich unter einer anderen Perspektive. Und genau darin liegt die Stärke des Traums: Er ändert aus optischen Phänomen die Perspektive, mit der wir Probleme zu betrachten pflegen. Das genau ist der Clou, denn Probleme entstehen ja gerade dadurch, dass wir Situationen ständig unter der gleichen Perspektive betrachten und deswegen auch keine neuen Möglichkeiten sehen.

Der Traum ist also der kostenlose Unternehmensberater, der uns allnächtlich heimsucht. Es kommt für uns darauf an, seine Anregungen ernst zu nehmen und uns durch seine Bilderwelten inspirieren zu lassen. Das Glück steht da auf unserer Seite, denn womit wir uns die Tage zuvor beschäftigen, das nimmt der Traum gerne auf, mit anderen Worten, jeder Traum geht automatisch auf die Probleme ein, mit denen Sie sich beschäftigen. Deswegen hilft es auch, sich noch mal vor dem Einschlafen mit seinen Problemen zu beschäftigen und dann die Träume der nächsten drei Tage auf dieses Problem hin zu deuten versuchen.

 copyright Klausbernd Vollmar, Cley next the Sea/Norfolk 2010