Traum: Zustand des Bewusstseins

 

 

 

 

T.K.V. Desikachar (1) führt in Kapitel I des Yoga Supta ein:

...Wir erfahren, dass es im Yoga um eine positive Veränderung un-seres Geistes geht. ... Unser Geist ist nicht immer in der gleichen Art und Weise aktiv.  ... Nach Patanjali bestimmt die Qualität, aus der heraus der Zustand unseres Geistes in einem gegebenen Augenblick wirkt, wie wir uns selbst und die Welt sehen, und welchen Einfluss das Gesehene auf uns nimmt.

B.K.S. Iyengar (2) erklärt die Zustände des Bewusstseins:

Wach-

zustand

Traum-

zustand

Tiefschalf-

zustand

Sinnesaktivitäten sind auf die Vielfalt der äußeren Welt gerichtet

die Richtung der Aktivitäten, ist mit dem Willen zu steuern

Wahrnehmung der inneren Welt der Psyche bestehend aus Erinnerungen, Bildern und Vorstellungen

Bewusstsein ist voller Gedanken, Aktivitäten und Wahrnehmungen mit ständigen Verände-rungen

keine Kontrolle möglich

Unbewusst, ruhig, dunkel, voller Frieden, wunschlos

ohne Willen, ohne Kampf und Sorge

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es einen vierten Zustand des Bewusstseins gibt: Er ist gekennzeichnet von wacher Bewusstheit, in Ruhe weilenden Sinnen und Gedanken, friedlich und glückselig.

T.K.V. Desikachar (1) überträgt und kommentiert die Yoga Sutren zu Aktivitäten des Geistes:

Yoga Sutra I.6

Richtige Wahrnehmung, falsche Wahrnehmung,

Vorstellung, tiefer traumloser Schlaf

und Erinnerung

Jede dieser Aktivitäten im Geist besitzt ihre eigenen charakteristischen Züge. ...Die Auswirkung dieser Aktivitäten des Geistes auf unsere Verhaltensweisen und Haltungen, die Art und Weise, wie sie unser Leben bestimmen, all das verbindet sich zu dem, was wir Persönlichkeit nennen.

Yoga Sutra I.9

Vorstellung basiert allein auf Worten, Bildern,

oder anderen Ausdrucksformen, während

der Gegenstand selbst nicht vorhanden ist

... Worte und Bilder leiten unsere Phantasie und unsere Vorstellung und tragen so dazu bei, eine Situation, eine Frage, einen Gegenstand oder Gefühle zu verstehen. Worte in Form von Poesie vermögen uns manchmal tiefere Aspekte zu vermitteln, als es allein die Kraft der einzelnen Worte erlaubt. Auch Erinnerungen, Träume, körperliche Empfindungen und Gefühle lassen Vorstellungen in uns entstehen.

Die Vorstellungskraft ist die Aktivität des Geistes, die es uns ermöglicht, ein Ziel oder eine Lösung eines Problems zu visualisieren, obwohl sie noch nicht Wirklichkeit geworden sind. ...

Yoga Sutra I.38

Das Erforschen unserer Träume und der Versuch,

das bewusster wahrzunehmen, was wir

im Zusammenhang mit dem Schlaf erleben,

kann manchmal

 zur Klärung unserer Probleme beitragen

(1) Desikachar,T.K.V. : Über Freiheit und Meditation - Das Yoga Sutra des Patanjali, eine Einführung. Petersberg 2003 (vianova)

(2) Nach Iyengar, B.K.S.: Licht auf Yoga.  München (O.W. Barth Verlag)